Friedensoffen und hoffen

Friedensoffen und hoffen
von Bernhard Nolz

Personen und Gruppen der Friedensbewegung als „rechtsoffen“ zu bezeichnen, wenn sie mit Anderen für den Frieden eintreten, zielt unter die Gürtellinie. Wer sind die, die keine Hemmungen kennen, wenn es um die Ausgrenzung Andersdenkender geht?

Wenn Politiker:innen und Journalist:innen in den Freund:innen des Friedens Faschist:innen erkennen, übertragen sie damit ihre eigenen Eigenschaften auf die Friedensbewegten. Das nennt man Projektion und bedeutet, dass man mit sich selbst nicht in Frieden leben kann, davon aber nichts wissen will.

Es ist bedauerlich, dass auch Friedensaktivisten von diesem Phänomen betroffen sind. Selbstbesinnung hätte verhindern können, dass die „eigenen“ Friedensfreundinnen und -freunde mit „rechtsoffener“ Feindschaft überzogen werden.

Derartig gestrickte Politiker:innen führen lieber Krieg. Den Klassenkampf von oben, nach innen und nach außen. Je lauter sie mit Hilfe der Medien ihren „Kampf“ um Freiheit und Demokratie heraus posaunen, desto totalitärer und gewalttätiger werden die Umstände und die Ausnahmezustände.

Dass sie sich dafür verantwortlich fühlten, wäre falsch ausgedrückt, denn von Verantwortung sprechen sie immer dann, wenn sie Gewalt und Krieg in der Welt voranbringen wollen. Von der politischen Verantwortung für das Wohlergehen aller Menschen, von der demokratischen Aufgabe, die unterschiedlichen Interessen zum allgemeinen Wohl zu vereinen, davon haben diese Politiker:innen und ihre Mitstreiter:innen in ihren Partei- und Medienblasen noch nichts vernommen.

Deshalb können sie nicht aufhören, vom Ruin anderer Völker zu schwärmen, die Menschenrechte außer Kraft zu setzen, tödliche Spritzen zu verabreichen, junge Männer in den Kriegstod zu hetzen, die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören und neue Feinde aufzuspüren.

Manche nennen diese Politik kapitalistisch neoliberal oder totalitär faschistisch. Obelix hätte die Hoffnung: „Die haben den Arsch offen, die Politiker!“

Frieden ist eine revolutionäre Idee; dass der Frieden mit friedlichen Mitteln erreicht werden soll, definiert diese Revolution als gewaltfrei. Sie findet immer statt; unsere Aufgabe ist es, ihren Umfang und ihr Gebiet zu vergrößern. Die Aufgaben sind unermesslich; die Frage ist, ob wir ihnen gewachsen sind.“ (Johan Galtung)

Bernhard Nolz ist Friedenspädagoge, Aachener Friedenspreisträger, Träger eines Preises für Zivilcourage, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden, Leiter des Siegener Zentrums für Friedenskultur, Pädagogischer Leiter des Siegener Dunkelcafés – Lernort für Inklusion.
0171 8993637, nolzpopp@web.de, www.friedenspaedagogen.de

 

Die Siegener Friedenswochen 1981

Die Siegener Friedenswochen 1981

Blick in die eigene Geschichte – ein Beitrag der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF)

Knapp 40 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs begründete die Siegerländer Friedensbewegung die Tradition eines Aktionstages für den Frieden, die bis heute – 40 Jahre lang – gehalten hat. Dieser Bericht nimmt nun im Spezifischen die beiden Siegener Friedenswochen 1981 und 1982 – jeweils von Oktober bis Dezember – in den Blick. Der Beitrag beruht auf den Friedenszeitungen 1981 und 1982, die von der Arbeitsgemeinschaft Siegener Friedenswochen (AGSF) herausgegeben wurden.

Angesichts der heutigen Gespaltenheit und tendenziellen Marginalisierung der Friedensbewegung wollte ich der Frage nachgehen, woher die Friedensbewegung damals die Kraft genommen hatte, zweimal ein beeindruckendes Aktionsprogramm für den Frieden auf die Beine stellen zu können.

Am entscheidendsten war, dass 1981 durch den »Krefelder Appell« und andere Friedensaufrufe eine bundesweite Bewegung entstanden war, die zur Bonner Zentraldemonstration am 10.10.1981 über 300.000 Teilnehmer*innen mobilisieren konnte. Auch aus Siegen fuhren mehrere Sonderbusse zur Bonner Demo.

Das Motto „Gegen die atomare Bedrohung gemeinsam vorgehen! Für Abrüstung und Entspannung in Europa!“ gibt die friedenspolitische Stimmung gut wieder. Die Friedensbewegung erwartete von den NATO-Staaten konkrete Abrüstungsschritte und friedenspolitische Vorleistungen („Weg mit dem Nachrüstungsbeschluss!“), doch richteten sich die Abrüstungs- und Friedensappelle von 1981 an Ost und West gleichermaßen. Die mit der Entspannungspolitik Willy Brandts verbundenen Hoffnungen auf ein friedliches Europa standen zwar noch richtungsweisend im Raum, wurden aber in zunehmendem Maße von den atomaren Aufrüstungsinitiativen der NATO verdrängt, was zu massiven Kriegsängsten in der Bevölkerung führte.

Gegen die beschriebenen Entwicklungen wollten die Siegener Friedenswochen 1981 ein Zeichen setzen. Vierzig Organisationen und Gruppen nahmen ihre »Verantwortung für den Frieden« wahr. Denn: „Wir dürfen das entscheidende Problem der Menschheit nicht einigen wenigen Politikern oder Militärs überlassen. […] Angesichts der Gefahr eines drohenden Atomkriegs müssen wir uns noch stärker für Abrüstung und Völkerverständigung einsetzen. Als Bürger eines Landes, das die Welt vor zweiundvierzig Jahren in den schlimmsten aller bisherigen Kriege stürzte, haben wir in diesem Bemühen eine besondere Verpflichtung.“ (Siegener Aufruf 1981) Daraus entstanden breit angelegte öffentliche Debatten, von der Einladung der Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) zum Gespräch mit dem sowjetischen Botschafter, über die Diskussion Hunger gegen Frieden“ der damaligen »Ökumenischen Aktionsgruppe 3. Welt Laden« bis hin zur »Russell Peace Initiative«, die über alternative Verteidigungskonzept diskutieren ließ.

Meinungsvielfalt und eine offene Art der Herangehensweise an strittige Themen und Probleme, die von gesellschaftlicher Bedeutung sind, waren typisch für die Siegener Friedenswochen der 1980er Jahre. Die Beteiligten empfanden divergierende Standpunkte und Ansichten als Bereicherung für die Friedensdiskussion. Staatliche Eingriffe in die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit wurden zurückgewiesen, weil sie den inneren Frieden stören würden.

Der organisatorische »Motor« der Friedenswochen 1981 waren die Menschen der Universität Siegen und Gruppen aus dem linken Spektrum. Zeitzeug*innen berichten, dass das Engagement für den Frieden die gesamte Hochschule erfasst hatte: Professor*innen, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, Verwaltungs- und technische Angestellte und vor allem Student*innen leisteten Beiträge zum Gelingen der Siegener Friedenswochen. Einer von ihnen war Professor Dr. Wolfgang Popp (Germanistik), der auch der »Initiative Krefelder Appell« angehörte und Kontakte zu den »Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden« (PPF) geknüpft hatte, deren Sprecher er wurde. In seinem friedenswissenschaftlichen Beitrag beschäftigte er sich mit der „Friedenserziehung in der Schule“, die schon bald zum Kampffeld der Kultusministerkonferenz werden sollte. In vielen Veranstaltungen zu den Siegener Friedenswochen kommen die Sorgen über die Zukunft der Kinder von damals zum Ausdruck.

Zusätzlich zu den Veranstaltungen in der Stadt Siegen fuhr während der Friedenswochen „zwar nicht der Friede selbst, aber ein Friedensauto“ die Dörfer in der Region und städtische Marktplätze an, um sie „mit Materialien und aktiven Gesprächspartnern“ zu versorgen.

Am Jahresende 1981 stellte die Siegerländer Friedensbewegung zufrieden fest, dass mehrere Tausend Menschen die Veranstaltungen der Siegener Friedenswochen besucht hatten. Ein großer Erfolg, der für heute inspirierend wirken kann.

Der Bericht ist eine Zusammenfassung eines Referats von Bernhard Nolz am 16.12.22, dem Siegener Friedensgedenktag, im Zentrum für Friedenskultur (ZFK). Ein Fortsetzungsbericht über die Siegener Friedenswochen 1982 folgt.

Bernhard Nolz

Der Text erschien zuerst in W&F Wissenschaft und Frieden 1/2023, S. 54/55

Mit dem Text möchte ich euch anregen, an einem der Ostermärsche 2023 teilzunehmen.
Informationen findet ihr hier:

https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2023

 

 

 

 

 

 

Friedenstauben aus Siegen

Friedenstauben aus Siegen

Seit einem Jahr hängen in den Fenstern des Zentrums für Friedenskultur (ZFK) in der Kölner Straße in Siegen drei weiße Friedenstauben auf blauem Grund. Sie drücken die Hoffnung aus, dass die Politiker:innen zum Frieden zurückfinden und das Töten und Zerstören in der Ukraine beenden.

„Viele Menschen haben sich bei uns für diese Friedenszeichen bedankt und auch dafür, dass wir uns seit 22 Jahren beharrlich für den Frieden in der Welt einsetzen“, sagt ZFK-Leiter Bernhard Nolz, der für seine Friedensarbeit mit dem Aachener Friedenspreis geehrt wurde.

Deutschland hat allen Grund, sich darauf zu besinnen, dass die Friedenspolitik von Bundeskanzler Willy Brandt die Grundlagen dafür gelegt hat, dass die Sowjetunion der deutschen Wiedervereinigung zugestimmt hat. In den Folgejahren haben die russischen Gaslieferungen den deutschen Wohlstand vermehrt. Der Wirtschaftskrieg gegen Russland schadet beiden Nationen und ruiniert Deutschlands Ruf als Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturstandort. Die deutschen Waffenlieferungen verlängern nur das Morden und Zerstören in der Ukraine.

Bernhard Nolz: „In all den Jahren hatten wir im ZFK Hunderte Friedensaktivist:innen zu Gast, die in ihrem Friedenskampf nicht nachlassen und eine Politik des Friedens und der Gerechtigkeit von den Politiker:innen verlangen. Die nach dem 2. Weltkrieg erhobene Forderung: „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ gilt es auch 2023 zu verwirklichen.“

Bernhard Nolz

Zentrum für Friedenskultur (ZFK)

Kölner Str. 11

57072 Siegen

01718993637

nolzpopp@web.de

www.friedenspaedagogen.de

Einjährige Friedensbilanz 2023

Einjährige Friedensbilanz 2023

Seit einem Jahr hängen in den Fenstern des Zentrums für Friedenskultur (ZFK) in der Kölner Straße in Siegen drei weiße Friedenstauben auf blauem Grund. Sie drücken die Hoffnung aus, dass die Politiker:innen zum Frieden zurückfinden und das Töten in der Ukraine und anderswo beenden.

Natürlich müssen wir alle erst noch verdauen, dass Merkel erklärt hat, dass sich ihre Regierung einen „Scheißdreck“ um das Völkerrecht geschert und die Ukraine für den Krieg gegen Russland angestachelt hat.

Noch sieht es in Deutschland nicht nach Frieden aus. Denn laut Presse befindet sich „Pistorius im Angriffsmodus“ gegen Russland. Aber der „Kriegsminister“, der Deutschland am Dnjepr verteidigen will, streitet noch mit seinem feministischen Kollegin darüber, ob nicht Russland doch zunächst kriegerisch wirtschaftlich ruiniert werden soll.

Derweil will Deutschland das US-Militär aus dem Kriegsrennen nehmen und nach Hause schicken, weil die Nord Stream Pipelines zu voreilig gesprengt worden sind. Schon bald hätten wir „unser“ Gas aus den deutsch-russischen Kolonien kostenlos beziehen können.

Was hier in ironischer Weise kolportiert wird, geschieht in Wirklichkeit auf den Gräbern Zehntausender ukrainischer und russischer Soldaten und Söldnern sowie tausender Zivilist:innen unterschiedlicher Nationalität.

Friedenskultur bedeutet „Nie wieder Krieg!“ und Abbau von Feindbildern, heißt Abrüstung und Verständigung, Frieden und Gerechtigkeit. Wir haben noch von keinem deutschen Regierungspolitiker, von keiner deutschen Regierungspolitikerin eine Erklärung gehört, warum das friedliche Zusammenleben der Völker und Staaten nicht möglich sein soll, warum sie keine Energie investieren wollen, um zu friedlichen Konfliktlösungen zu kommen.

Wenn das der Fall ist, können wir unsere Friedenstauben einziehen.

Bernhard Nolz

Zentrum für Friedenskultur

Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden

Kölner Str. 11

57072 Siegen

01718993637

nolzpopp@web.de

Frieden als Verpflichtung am Holocaust-Tag

Frieden als Verpflichtung aus der Geschichte am Holocaust-Tag

Die Aufforderung an die europäischen Regierungen, endlich Anstrengungen für Friedensverhandlungen und ein Ende des Krieges in der Ukraine zu unternehmen, ist anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar 2023 unüberhörbar.

Die Vernichtung der europäischen Juden im 2. Weltkrieg war vor allem das verbrecherische Werk der deutschen Wehrmacht. Die daraus sich ergebende Verpflichtung für deutsche Regierungen lautet unabänderlich: Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Und schließt Waffenlieferungen an die Krieg führende und von Faschisten beherrschte Ukraine aus.

Mit Wolfgang Popp habe ich vor 23 Jahren ein Buch heraus gegeben. Es trägt den Titel „Erinnerungsarbeit. Grundlage einer Kultur des Friedens“. Zusammen mit 15 weiteren Autorinnen und Autoren hatten wir uns vorgenommen, friedliche „Erfahrungen aus der Geschichte zu vergegenwärtigen.“

Beim Schreiben unserer Beiträge ahnten wir nicht, dass das Erscheinen unseres Buches im Jahr 2000 zusammenfällt mit dem Beginn einer Zahl Völkerrechts widriger Kriege der USA und anderer NATO-Staaten im Nahen Osten, Nordafrika und in Afghanistan. Der „Krieg gegen den Terror“ hat 2 – 3 Millionen Todesopfer gefordert.

Der Holocaust-Tag ist kein Tag, an dem man die Zahl der Getöteten in den Genoziden gegeneinander aufrechnet. Sondern es ist der Tag der Besinnung darauf, dass der Frieden das Ziel aller Politik sein muss, weil wir alle zur gleichen Menschheitsfamilie gehören, die sich im Frieden vereint.

In unserem Buch zur Erinnerungsarbeit haben wir das so zusammen gefasst: „Historisches Bewusstsein, geschärft an Irrtümern und Versagen aber ebenso an mutigem Aufbegehren kann dem Denken und Handeln Orientierung geben: Wachsamkeit gegenüber neofaschistischer Unbelehrbarkeit und Streitbarkeit für Abrüstung, Kriegsverhütung, Demokratie und soziale Gerechtigkeit.“ Wir wünschen uns, dass nicht nur die Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden ihre gesellschaftliche Verantwortung für eine friedliche Welt wahr nehmen.

Bernhard Nolz

Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF), Aachener Friedenspreisträger, Zivilcourage-Preisträger, Leiter des Siegener Zentrums für Friedenskultur (ZFK)

01718993637, nolzpopp@web.de

Offener Brief an die Mitglieder des Aachener Friedenspreises

Bernhard Nolz
Aachener Friedenspreisträger 2002
28.08.2022

Offener Brief an die Mitglieder des Aachener Friedenspreises

Liebe Freundinnen und Freunde des Friedens,

ich frage euch, ob es nicht im Widerspruch zur Gründungserklärung des Aachener Friedenspreises e.V. steht, wenn der Aachener Friedenspreis sich auf seiner Internetseite von mir distanziert und mich ausgrenzt, weil ich eine andere Ansicht in Demokratiefragen vertrete als der Verein.

Widerspricht es nicht eurer friedlichen Grundhaltung, wenn der Aachener Friedenspreis mich seit dem 03.10.2020 auf seiner Internetseite mit Verschwörungstheorien in Verbindung bringt und meinen Ruf als Aachener Friedenspreisträger zu schädigen sucht?

Ist euch nicht bewusst, dass ihr mit der Ausgrenzung von Meinungen zur Erosion der Demokratie beitragt?

Ist es nicht Aufgabe des Aachener Friedenspreises, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen, statt es seinem Friedenspreisträger sowie zwei seiner Vorstandsmitglieder abzusprechen?

Welche Friedens fördernde Absicht steht dahinter, wenn der Aachener Friedenspreis mich zur diesjährigen Preisverleihung nicht einlädt?

Habt ihr vergessen, dass „Querdenken“ – bis zur Umdeutung durch die Regierenden – als Essenz der Demokratie, als demokratische Tugend angesehen worden ist?

Was hat euch dazu gebracht, mit Andersdenkenden nicht mehr in Frieden zu leben? Selbst wenn die Andersdenkenden die vorhandenen Normen ändern wollen, habt ihr euch doch laut Gründungserklärung zum Frieden mit ihnen entschlossen.

Im Hinblick auf aktuelle Kriege und Konflikte dürfen wir die Achtung vor dem Leben nicht verlieren und nicht vergessen, dass wir Alle zu der einen Menschheitsfamilie gehören, die die Sehnsucht nach Frieden in sich tragen.

Wie findet ihr selbst zu dem Gerechtigkeitssinn zurück, mit dem der Aachener Friedenspreis Andere auszeichnet?

Möge mein Brief dazu beitragen.

Herzlich grüßt euch

Bernhard Nolz

Kölner Str. 11, 57072 Siegen, 0171 8993637 nolzpopp@web.de
Aachener Friedenspreisträger, Träger des Zivilcourage-Preises der Solbach-Freise-Stiftung, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden, Leiter des Siegener Zentrums für Friedenskultur, Pädagogischer Leiter des Siegener Dunkelcafés – Lernort für Inklusion, Vorsitzender des Stiftungsrats der August-von-Platen-Stiftung der Universität Siegen

Kulturelle Armut und Intoleranz

Leserbrief zum Bericht über die Ablehnung der Förderung des Theaterstücks „Roreo und Juguretta“ durch den Kulturausschuss der Stadt Siegen

„Roreo und Jugaretta“ ist ein Theaterstük, in dem die Rollen nicht von Menschen, sondern von Lebensmitteln übernommen werden. Einer der immer und zu allem etwas sagen muss, wird beispielsweise  als Senftube dargestellt usw.

Ist denn keine/r mehr bei Verstand im Kulturausschuss? Kein Kulturausschussmitglied will das außergewöhnliche Theaterprojekt, eine aktuelle Bearbeitung des zeitlos-kritischen Gesellschaftsdramas „Romeo und Julia“ von Shakespeare, unterstützen. Wie Kultur feindlich und Welt fremd ist das denn?

Die GRÜNEN-Vertreterin im Kulturausschuss bejammert, dass ihre Partei nur noch die Konzerne fördert, keine Sozialpolitik mehr betreibt und stattdessen die Ärmsten der Armen an die Almosen der Tafeln verweist. Aber die Theatermacher nehmen die Lebensmittel, die sie für die Theateraufführungen brauchen, doch gar nicht den Tafeln weg, sondern kaufen und bezahlen sie im Supermarkt.

Der Volt-Vertreter im Kulturausschuss hält mal wieder Kindererziehung für Kulturpolitik. „Mit dem Essen spielt man nicht“, stößt er voller Empörung hervor. Er hat wohl vergessen, dass der Spruch aus der Not geboren ist, wenn kaum mehr alle in der Familie satt zu kriegen sind. Heute wieder eine bittere Realität. Nicht zuletzt auf Grund der EU-Sanktionen gegen Russland und der Spekulationsgeschäfte mit Lebensmitteln.

Letztlich verwundert es den kritischen Betrachter der Siegener Kulturszene nicht, dass die GRÜNE und die VOLT Partei die deutsche Kriegsbeteiligung in der Ukraine begrüßen. Wie viele Senftuben muss man ausdrücken, bis ein armes Würstchen daran stirbt?

Bernhard Nolz, Kölner Str. 11, 57072 Siegen, 0171 8993637, nolzpopp@web.de

Die Stärke des Pazifismus. Erklärung zum Hiroshima-Tag 2022

Erklärung zum Hiroshima-Tag 2022

DIE STÄRKE DES PAZIFISMUS:

Seit 77 Jahren ein konsequentes NEIN ZUM KRIEG! Ein konsequentes NEIN ZU ATOMWAFFEN!

HIROSHIMA UND NAGASAKI mahnen!

Die Verbrechen des 6./9. August 1945 dürfen sich 2022 nicht in Europa wiederholen. Die Atombombenabwürfe der USA auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki waren Kriegsverbrechen.

Die Vernichtung aller Atomwaffen auf der Welt fordert die internationale Friedensbewegung seit 77 Jahren.

SPIEL MIT DEM ATOMAREN FEUER

Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg bringen die USA und ihre NATO-Verbündeten sowie Russland erneut die Atomwaffen ins Tod bringende Spiel.

Das atomare Inferno muss verhindert werden!

Deshalb: Atomare Abrüstung in Europa sofort!

Sofortige Beendigung der Kriegshandlungen in der Ukraine und Stopp aller Waffenlieferungen!

Verhandlungen über einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen jetzt!

Die Stimmen der Vernunft werden sich durchsetzen!

Verantwortlich: Bernhard Nolz, Aachener Friedenspreisträger, Zentrum für Friedenskultur (ZFK) Siegen, Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF) www.friedenspaedagogen.de

Vierte Gesamtschule in Siegen – ein kleiner Schritt zum Schulfrieden

Vierte Gesamtschule in Siegen – ein kleiner Schritt zum Schulfrieden
Ein Kommentar von Bernhard Nolz, Friedenspädagoge

Ein bisschen (Schul-) Frieden

Mit dem Beschluss, eine vierte Gesamtschule in Siegen einzurichten, hat die Ratsversammlung eine gute Entscheidung getroffen. Der kommunale Schulfrieden ist gestärkt worden. Ab August 2023 können tatsächlich alle Schüler:innen, die es möchten, eine integrierte Gesamtschule besuchen. Und die Gesamtschule ermöglicht alle Bildungsabschlüsse der Sekundarstufen I und II bis zum Abitur.

Schul- und Lebensgemeinschaften

Bisher musste in jedem Jahr wieder eine Vielzahl von Bewerber:innen von den Siegener Gesamtschulen abgewiesen werden. Die betroffenen Schüler:innen und ihre Eltern sind über diese Zwänge unzufrieden. Gleichzeitig gehen die Anmeldungen an den Haupt- und Realschulen immer weiter zurück. Das nach Begabung gegliederte Schulsystem – aus dem 19. Jahrhundert stammend – hat sich längst überholt.

Strukturelle Gewalt nennt man den Umstand, dass nach vier gemeinsamen Grundschuljahren die Schüler:innen sich auf verschiedene Schulformen verteilen müssen. Wenn sie länger zusammen bleiben, wird der soziale Zusammenhalt der Schülerschaft gefördert. Zugleich werden Bildungs- und Lebenschancen länger offen gehalten. Dadurch gleichen sich individuelle Wünsche und gesellschaftliche Erwartungen an.

Die Zukunft gehört der Gesamtschule

Bei der Gründung der Gesamtschulen in NRW im Jahre 1969 wurde versäumt, die Gesamtschule als Regelschule einzuführen, obwohl schon fast alle europäischen Staaten integrierte Schulsysteme hatten. So gab es im Gründungsjahr in NRW nur 7 statt 70 neue Gesamtschulen. Die Ungerechtigkeiten waren damit vorprogrammiert. 50 Jahre lang wussten Landes- und Kommunalpolitiker:innen die flächendeckende Einrichtung von Gesamtschulen zu verhindern.

Mit vier Gesamtschulen sticht Siegen bald positiv hervor. Im Verbund mit Grundschulen können jetzt alle Schüler:innen von Klasse 1 bis 10 zusammen bleiben. Das Vorbild wird langfristig dazu führen, dass die Gymnasien dieses Gemeinschaftsmodell übernehmen.

Doch gibt es ein grundsätzliches Problem: Schülerinnen und Schüler mit Behinderung werden außen vor gehalten. Ein weiteres Beispiel für strukturelle Gewalt!

Inklusion ausdehnen!

Menschen mit und ohne Behinderungen sollen von Anfang an gemeinsam lernen. Die UN-Behindertenrechtskonvention verlangt ein solches inklusives Bildungssystem. Doch das Land NRW hat die Inklusion von behinderten Schülerinnen und Schülern nicht voran gebracht. Von der neuen Landesregierung (CDU/GRÜNE) wird erwartet, dass die Ausgrenzung der behinderten Schüler:innen beendet wird.

In Siegen soll die neue Gesamtschule in der Weise entstehen, dass aus einem Gymnasium, einer Realschule und einer Hauptschule eine neue Gesamtschule gebildet wird. Wenn das Schulkonzept erweitert und eine Förderschule einbezogen würde, wären auch die behinderten Schüler:innen dabei. Ein weiterer Schritt zum Schulfrieden!

Lernen für den Frieden und für das Leben

Die Problemfelder Gesamtschule und Inklusion verdeutlichen, dass das Lernen für den Frieden und für das lebendige Leben auf die Tagesordnung jeder Schule gehört.

Bernhard Nolz ist Lehrer i.R. und gehört zum Leitungsteam des Siegener Dunkelcafés – außerschulischer Lernort für Inklusion. Er ist Aachener Friedenspreisträger, Träger eines Preises für Zivilcourage, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden und Leiter des Siegener Zentrums für Friedenskultur. 0171 8993637, nolzpopp@web.de, www.friedenspaedagogen.de

Protestaktion vor dem Bundesrat: NEIN zum 100 Mrd. Euro Sondervermögen für die Bundeswehr

Protestaktion vor dem Bundesrat

Freitag, 10. Juni 2022, 9Uhr, Bundesrat, Leipziger Str. 3-4, 10117 Berlin

 

Nein zum 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr!

Bundesrat muss Grundgesetzänderung ablehnen!

Am Freitag entscheidet der Bundesrat darüber, ob er der vom Bundestag beschlossenen Grundgesetzänderung über das 100Mrd. Euro Sondervermögen für die Bundeswehr zustimmt.

Wir appellieren an die Bundesländer, diesem Vorhaben ihre Zustimmung zu verweigern!

100 Mrd. Euro zusätzlich zum Verteidigungshaushalt für die Bundeswehr sollen an Schulden aufgenommen werden können, ohne, dass sie von der Schuldenbremse erfasst sind. Im Rahmen der Schuldenbremse wäre das rein rechtlich schlicht nicht erlaubt. Nur durch die Änderung des Grundgesetzes wird das möglich. Und diese Schulden müssen irgendwann abbezahlt werden und entsprechend an anderen Stellen gekürzt werden.

Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, deren Forderungen nach Investitionen in soziale Sicherheit, das Gesundheitssystem, Bildung, Umweltschutz und Klimaanpassung u.v.m. mit dem Verweis auf fehlendes Geld und die Schuldenbremse abgewiesen werden.

Das Geld ist da, aber es wird lieber dafür ausgegeben, u.a. neue Kampfflugzeuge zu kaufen, die Atomwaffen abwerfen können. Wir brauchen das Geld aber zum Leben und nicht zum Töten!

Die jetzt geplante weitere Aufrüstung der Bundeswehr steht außerdem in keinem sachlichen Zusammenhang mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, den wir scharf verurteilen. Dieser Krieg wird nicht durch eine, Jahre und Jahrzehnte dauernde Aufrüstung der Bundeswehr gestoppt, noch liegt eine unmittelbare Bedrohung Deutschlands vor. Zudem sind die Militärausgaben der NATO-Staaten bereits jetzt sechs Mal höher (kaufkraftbereinigt) als Russlands.

Deshalb sagen wir Nein zu 100 Mrd. Euro zusätzlichen Schulden für die Bundeswehr und fordern den Bundesrat auf, seine Zustimmung zur Grundgesetzänderung zu verweigern!

Kommt am Freitag, 10. Juni 2022 um 9 Uhr zum Bundesrat, Leipziger Str. 3-4 und protestiert mit uns.

Initiatorin: pax christi – Deutsche Sektion e.V.

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