Archiv: Januar 2019

Siegbärt Nr. 3

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Siegbärt ● Der Berliner Bär aus Siegen

Bewegende Worte in den Mund gelegt von Bernhard Nolz

Nr. 3 ● Januar 2019

Liebe Freundinnen und Freunde,

ich denke, es ist euch wie mir ergangen: Auch ihr habt an einen vorweihnachlichen Aprilscherz gedacht, als ihr zwei auf der gleichen Seite stehende Berichte in der Siegener Zeitung gelesen habt.

In dem einen Bericht ging es um die Privatisierung eines Teils des Unteren Schlossplatzes; in dem anderen Bericht darum, die grünen und roten Ampelmännchen-Symbole durch Figuren von Henner und Frieder zu ersetzen.

Der Privatisierungswahn der nordrhein-westfälischen Landesregierung scheint keine Grenzen zu kennen. Und auch Siegens Kommunalpolitiker*innen stoppen diese Auswüchse nicht. Jetzt also steht ein Teil des Schlossplatzes zum Verkauf an! Immer wieder wird öffentlicher Besitz – in der Demokratie ist es Volksvermögen – der privaten Ausbeutung preis gegeben, und die Bürger*innen müssen dann dafür zahlen, obwohl es ihnen gehört (Stichwort: Autobahnmaut).

Abschreckendes Beispiel für diese verfehlte Politik ist der öffentliche Nahverkehr. Da brachte die Privatisierung den Fahrer*innen von Bussen und Bahnen erhebliche Einkommensverluste und den Bahn- und Busbenutzer*innen Preiserhöhungen und Verschlechterungen, z.B. wenn man von Siegen (NRW) nach Köln (NRW) fahren wollte.

Nun soll uns auch der Schlossplatz weggenommen werden. Aber man kann doch nicht ein öffentliches Bodendenkmal – der Schlossplatz ist ein solches Denkmal – an private Firmen verkaufen! Wenn das durchkommt, muss ich befürchten, dass ich den Siegener Bürger*innen weggenommen und z.B. an die Firma „Bärenmarke“ verkauft werde!

So ernst ist es mit den Plänen, Henner und Frieder auf die Siegener Fußgängerampeln zu bekommen, nicht. Hier geht es (vorerst) auch nicht darum, Einnahmen zu erzielen. Vielmehr will die Stadt einiges Geld für ein Gutachten ausgeben, um die Frage klären zu lassen, in wieweit die Figuren „Henner“ und „Frieder“ überhaupt abstrahiert werden können, damit sie den bisherigen Ampelmännchen ähneln. Schließlich soll man ja keinen Herzinfarkt bekommen, wenn einem bei Rot (oder Grün?) ein Männchen mit einer Hacke entgegen springt bzw. mit einer Zange die Zehen abknipsen will.

Ich wenigstens würde es zurückweisen, wenn man mir vorschlagen würde, als Ampelmännchen posieren zu sollen. Ich denke, Henner und Frieder werden die gleiche Ansicht vertreten.

Aus gut unterrichteten Kreisen wurde mir zugetragen, dass die „Henner-und-Frieder-Ampelaktion“ den Weg zu einer lukrativen Vermarktung der Ampelsymbole ebnen soll. „McDonald’s“ (Rot) und „Subway“ (Grün) stünden schon in den Startlöchern. Beide wären zu Zugeständnissen bereit: Das rote „M-Zeichen“ müsste auf den Kopf gestellt werden, dann bedeutete es „Wait!“, „Warte!“. Damit es nicht zu Rot-Grün-Verwechslungen komme, würde der Name des anderen Bewerbers in „SubGay“ geändert. Das grüne „G“ hieße dann „Go!“, „Geh!“. Das wäre doch lustig!

Ich hoffe, dass sich die Vernunft durchsetzt.

Euer Siegbärt

© Siegbärt by Bernhard Nolz, Aachener Friedenspreisträger, Zivilcourage-Preisträger, bewegt sich in kommunalen Bildungslandschaften und ist aktiv in der Friedensbewegung. Ehrenamtlich tätig als Leiter des Siegener Zentrums für Friedenskultur (ZFK), Pädagogischer Leiter des Dunkelcafés Siegen – Lernort für Inklusion, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF), Vorsitzender des Stiftungsrates der August-von-Platen-Stiftung der Universität Siegen.

0171-8993637, 0271-23568535, nolzpopp@web.de, www.friedenspaedagogen.de

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