Die Heimat ohne Waffen gewaltfrei verteidigen
von Bernhard Nolz
Dass Waffen aus dem Siegerland ins Kriegsgebiet Ukraine geliefert werden, stellt für Bernhard Nolz, Pazifist und Aachener Friedenspreisträger, einen unerträglichen Zustand dar: „Der Einsatz jeder zusätzlichen Kriegswaffe steigert die Zahl der Getöteten und verlängert den Krieg.“
Darüber hinaus gibt Bernhard Nolz zu bedenken, dass jede militärische Verteidigung gegen einen Angreifer unweigerlich dazu beiträgt, das eigene Land in Schutt und Asche zu legen. Ein wirksames Mittel gegen dieses selbst zerstörerische Handeln ist die gewaltfreie Verteidigung, auch Soziale Verteidigung genannt.
Die Soziale Verteidigung beruht auf dem passiven Widerstand der Bevölkerung, durch die der Angreifer und Besatzer zermürbt wird und erkennt, dass er mit Militär und Gewalt in dem Land nichts ausrichten kann. Der Boden für Friedensverhandlungen auf Augenhöhe wäre geschaffen, mit dem Ziel, einen Pakt für gemeinsame Sicherheit zu schließen.
Bernhard Nolz: „Das Entscheidende für mich ist, dass ein Blutvergießen und die Zerstörung der Heimat abgewendet werden können. Darin liegt die Stärke des Konzepts der Sozialen Verteidigung. Die Stimme der Vernunft sagt uns, dass alle Staaten radikal abrüsten müssen, damit Europa und die Welt der atomaren Vernichtung entgehen. In der Ukraine fand die Soziale Verteidigung leider keine Beachtung. Aber wenn wir uns einen kriegerischen Angriff auf Deutschland vorstellen, wird uns klar, dass wir Leid, Tod, Flucht und Zerstörung vermeiden könnten, wenn wir weiße Fahnen in die Fenster hängten und die Soldaten in den Kasernen blieben.“
Acht Jahre lang war Bernhard Nolz Vorsitzender des Bundes für Soziale Verteidigung, einer Friedensorganisation, die die Idee der Verteidigung ohne Waffen unter die Leute bringt und den Politiker:innen nahe legt, die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik umzustellen. Auch als Leiter des Siegener Zentrums für Friedenskultur und als Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden setzt Bernhard Nolz sich für Frieden und Völkerverständigung ein. Seine ersten friedenspolitischen Erfahrungen machte er in der Willy-Brandt-Ära.
Bernhard Nolz: „Die heutigen Politiker:innen sollten sich an Willy Brandts Politik der Aussöhnung und Verständigung erinnern. Brandt sagte 1969: ‚Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein und werden, im Innern und nach außen.‘ Hieran kann die Politik anknüpfen und Frieden mit Russland und der Ukraine halten.“
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