Archiv: April 2023

Friedensoffen und hoffen

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Friedensoffen und hoffen
von Bernhard Nolz

Personen und Gruppen der Friedensbewegung als „rechtsoffen“ zu bezeichnen, wenn sie mit Anderen für den Frieden eintreten, zielt unter die Gürtellinie. Wer sind die, die keine Hemmungen kennen, wenn es um die Ausgrenzung Andersdenkender geht?

Wenn Politiker:innen und Journalist:innen in den Freund:innen des Friedens Faschist:innen erkennen, übertragen sie damit ihre eigenen Eigenschaften auf die Friedensbewegten. Das nennt man Projektion und bedeutet, dass man mit sich selbst nicht in Frieden leben kann, davon aber nichts wissen will.

Es ist bedauerlich, dass auch Friedensaktivisten von diesem Phänomen betroffen sind. Selbstbesinnung hätte verhindern können, dass die „eigenen“ Friedensfreundinnen und -freunde mit „rechtsoffener“ Feindschaft überzogen werden.

Derartig gestrickte Politiker:innen führen lieber Krieg. Den Klassenkampf von oben, nach innen und nach außen. Je lauter sie mit Hilfe der Medien ihren „Kampf“ um Freiheit und Demokratie heraus posaunen, desto totalitärer und gewalttätiger werden die Umstände und die Ausnahmezustände.

Dass sie sich dafür verantwortlich fühlten, wäre falsch ausgedrückt, denn von Verantwortung sprechen sie immer dann, wenn sie Gewalt und Krieg in der Welt voranbringen wollen. Von der politischen Verantwortung für das Wohlergehen aller Menschen, von der demokratischen Aufgabe, die unterschiedlichen Interessen zum allgemeinen Wohl zu vereinen, davon haben diese Politiker:innen und ihre Mitstreiter:innen in ihren Partei- und Medienblasen noch nichts vernommen.

Deshalb können sie nicht aufhören, vom Ruin anderer Völker zu schwärmen, die Menschenrechte außer Kraft zu setzen, tödliche Spritzen zu verabreichen, junge Männer in den Kriegstod zu hetzen, die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören und neue Feinde aufzuspüren.

Manche nennen diese Politik kapitalistisch neoliberal oder totalitär faschistisch. Obelix hätte die Hoffnung: „Die haben den Arsch offen, die Politiker!“

Frieden ist eine revolutionäre Idee; dass der Frieden mit friedlichen Mitteln erreicht werden soll, definiert diese Revolution als gewaltfrei. Sie findet immer statt; unsere Aufgabe ist es, ihren Umfang und ihr Gebiet zu vergrößern. Die Aufgaben sind unermesslich; die Frage ist, ob wir ihnen gewachsen sind.“ (Johan Galtung)

Bernhard Nolz ist Friedenspädagoge, Aachener Friedenspreisträger, Träger eines Preises für Zivilcourage, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden, Leiter des Siegener Zentrums für Friedenskultur, Pädagogischer Leiter des Siegener Dunkelcafés – Lernort für Inklusion.
0171 8993637, nolzpopp@web.de, www.friedenspaedagogen.de

 

Die Siegener Friedenswochen 1981

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Die Siegener Friedenswochen 1981

Blick in die eigene Geschichte – ein Beitrag der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF)

Knapp 40 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs begründete die Siegerländer Friedensbewegung die Tradition eines Aktionstages für den Frieden, die bis heute – 40 Jahre lang – gehalten hat. Dieser Bericht nimmt nun im Spezifischen die beiden Siegener Friedenswochen 1981 und 1982 – jeweils von Oktober bis Dezember – in den Blick. Der Beitrag beruht auf den Friedenszeitungen 1981 und 1982, die von der Arbeitsgemeinschaft Siegener Friedenswochen (AGSF) herausgegeben wurden.

Angesichts der heutigen Gespaltenheit und tendenziellen Marginalisierung der Friedensbewegung wollte ich der Frage nachgehen, woher die Friedensbewegung damals die Kraft genommen hatte, zweimal ein beeindruckendes Aktionsprogramm für den Frieden auf die Beine stellen zu können.

Am entscheidendsten war, dass 1981 durch den »Krefelder Appell« und andere Friedensaufrufe eine bundesweite Bewegung entstanden war, die zur Bonner Zentraldemonstration am 10.10.1981 über 300.000 Teilnehmer*innen mobilisieren konnte. Auch aus Siegen fuhren mehrere Sonderbusse zur Bonner Demo.

Das Motto „Gegen die atomare Bedrohung gemeinsam vorgehen! Für Abrüstung und Entspannung in Europa!“ gibt die friedenspolitische Stimmung gut wieder. Die Friedensbewegung erwartete von den NATO-Staaten konkrete Abrüstungsschritte und friedenspolitische Vorleistungen („Weg mit dem Nachrüstungsbeschluss!“), doch richteten sich die Abrüstungs- und Friedensappelle von 1981 an Ost und West gleichermaßen. Die mit der Entspannungspolitik Willy Brandts verbundenen Hoffnungen auf ein friedliches Europa standen zwar noch richtungsweisend im Raum, wurden aber in zunehmendem Maße von den atomaren Aufrüstungsinitiativen der NATO verdrängt, was zu massiven Kriegsängsten in der Bevölkerung führte.

Gegen die beschriebenen Entwicklungen wollten die Siegener Friedenswochen 1981 ein Zeichen setzen. Vierzig Organisationen und Gruppen nahmen ihre »Verantwortung für den Frieden« wahr. Denn: „Wir dürfen das entscheidende Problem der Menschheit nicht einigen wenigen Politikern oder Militärs überlassen. […] Angesichts der Gefahr eines drohenden Atomkriegs müssen wir uns noch stärker für Abrüstung und Völkerverständigung einsetzen. Als Bürger eines Landes, das die Welt vor zweiundvierzig Jahren in den schlimmsten aller bisherigen Kriege stürzte, haben wir in diesem Bemühen eine besondere Verpflichtung.“ (Siegener Aufruf 1981) Daraus entstanden breit angelegte öffentliche Debatten, von der Einladung der Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) zum Gespräch mit dem sowjetischen Botschafter, über die Diskussion Hunger gegen Frieden“ der damaligen »Ökumenischen Aktionsgruppe 3. Welt Laden« bis hin zur »Russell Peace Initiative«, die über alternative Verteidigungskonzept diskutieren ließ.

Meinungsvielfalt und eine offene Art der Herangehensweise an strittige Themen und Probleme, die von gesellschaftlicher Bedeutung sind, waren typisch für die Siegener Friedenswochen der 1980er Jahre. Die Beteiligten empfanden divergierende Standpunkte und Ansichten als Bereicherung für die Friedensdiskussion. Staatliche Eingriffe in die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit wurden zurückgewiesen, weil sie den inneren Frieden stören würden.

Der organisatorische »Motor« der Friedenswochen 1981 waren die Menschen der Universität Siegen und Gruppen aus dem linken Spektrum. Zeitzeug*innen berichten, dass das Engagement für den Frieden die gesamte Hochschule erfasst hatte: Professor*innen, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, Verwaltungs- und technische Angestellte und vor allem Student*innen leisteten Beiträge zum Gelingen der Siegener Friedenswochen. Einer von ihnen war Professor Dr. Wolfgang Popp (Germanistik), der auch der »Initiative Krefelder Appell« angehörte und Kontakte zu den »Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden« (PPF) geknüpft hatte, deren Sprecher er wurde. In seinem friedenswissenschaftlichen Beitrag beschäftigte er sich mit der „Friedenserziehung in der Schule“, die schon bald zum Kampffeld der Kultusministerkonferenz werden sollte. In vielen Veranstaltungen zu den Siegener Friedenswochen kommen die Sorgen über die Zukunft der Kinder von damals zum Ausdruck.

Zusätzlich zu den Veranstaltungen in der Stadt Siegen fuhr während der Friedenswochen „zwar nicht der Friede selbst, aber ein Friedensauto“ die Dörfer in der Region und städtische Marktplätze an, um sie „mit Materialien und aktiven Gesprächspartnern“ zu versorgen.

Am Jahresende 1981 stellte die Siegerländer Friedensbewegung zufrieden fest, dass mehrere Tausend Menschen die Veranstaltungen der Siegener Friedenswochen besucht hatten. Ein großer Erfolg, der für heute inspirierend wirken kann.

Der Bericht ist eine Zusammenfassung eines Referats von Bernhard Nolz am 16.12.22, dem Siegener Friedensgedenktag, im Zentrum für Friedenskultur (ZFK). Ein Fortsetzungsbericht über die Siegener Friedenswochen 1982 folgt.

Bernhard Nolz

Der Text erschien zuerst in W&F Wissenschaft und Frieden 1/2023, S. 54/55

Mit dem Text möchte ich euch anregen, an einem der Ostermärsche 2023 teilzunehmen.
Informationen findet ihr hier:

https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2023

 

 

 

 

 

 

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