Friedensoffen und hoffen
von Bernhard Nolz
Personen und Gruppen der Friedensbewegung als „rechtsoffen“ zu bezeichnen, wenn sie mit Anderen für den Frieden eintreten, zielt unter die Gürtellinie. Wer sind die, die keine Hemmungen kennen, wenn es um die Ausgrenzung Andersdenkender geht?
Wenn Politiker:innen und Journalist:innen in den Freund:innen des Friedens Faschist:innen erkennen, übertragen sie damit ihre eigenen Eigenschaften auf die Friedensbewegten. Das nennt man Projektion und bedeutet, dass man mit sich selbst nicht in Frieden leben kann, davon aber nichts wissen will.
Es ist bedauerlich, dass auch Friedensaktivisten von diesem Phänomen betroffen sind. Selbstbesinnung hätte verhindern können, dass die „eigenen“ Friedensfreundinnen und -freunde mit „rechtsoffener“ Feindschaft überzogen werden.
Derartig gestrickte Politiker:innen führen lieber Krieg. Den Klassenkampf von oben, nach innen und nach außen. Je lauter sie mit Hilfe der Medien ihren „Kampf“ um Freiheit und Demokratie heraus posaunen, desto totalitärer und gewalttätiger werden die Umstände und die Ausnahmezustände.
Dass sie sich dafür verantwortlich fühlten, wäre falsch ausgedrückt, denn von Verantwortung sprechen sie immer dann, wenn sie Gewalt und Krieg in der Welt voranbringen wollen. Von der politischen Verantwortung für das Wohlergehen aller Menschen, von der demokratischen Aufgabe, die unterschiedlichen Interessen zum allgemeinen Wohl zu vereinen, davon haben diese Politiker:innen und ihre Mitstreiter:innen in ihren Partei- und Medienblasen noch nichts vernommen.
Deshalb können sie nicht aufhören, vom Ruin anderer Völker zu schwärmen, die Menschenrechte außer Kraft zu setzen, tödliche Spritzen zu verabreichen, junge Männer in den Kriegstod zu hetzen, die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören und neue Feinde aufzuspüren.
Manche nennen diese Politik kapitalistisch neoliberal oder totalitär faschistisch. Obelix hätte die Hoffnung: „Die haben den Arsch offen, die Politiker!“
„Frieden ist eine revolutionäre Idee; dass der Frieden mit friedlichen Mitteln erreicht werden soll, definiert diese Revolution als gewaltfrei. Sie findet immer statt; unsere Aufgabe ist es, ihren Umfang und ihr Gebiet zu vergrößern. Die Aufgaben sind unermesslich; die Frage ist, ob wir ihnen gewachsen sind.“ (Johan Galtung)
Bernhard Nolz ist Friedenspädagoge, Aachener Friedenspreisträger, Träger eines Preises für Zivilcourage, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden, Leiter des Siegener Zentrums für Friedenskultur, Pädagogischer Leiter des Siegener Dunkelcafés – Lernort für Inklusion.
0171 8993637, nolzpopp@web.de, www.friedenspaedagogen.de
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