Archiv: Juni 2022

Vierte Gesamtschule in Siegen – ein kleiner Schritt zum Schulfrieden

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Vierte Gesamtschule in Siegen – ein kleiner Schritt zum Schulfrieden
Ein Kommentar von Bernhard Nolz, Friedenspädagoge

Ein bisschen (Schul-) Frieden

Mit dem Beschluss, eine vierte Gesamtschule in Siegen einzurichten, hat die Ratsversammlung eine gute Entscheidung getroffen. Der kommunale Schulfrieden ist gestärkt worden. Ab August 2023 können tatsächlich alle Schüler:innen, die es möchten, eine integrierte Gesamtschule besuchen. Und die Gesamtschule ermöglicht alle Bildungsabschlüsse der Sekundarstufen I und II bis zum Abitur.

Schul- und Lebensgemeinschaften

Bisher musste in jedem Jahr wieder eine Vielzahl von Bewerber:innen von den Siegener Gesamtschulen abgewiesen werden. Die betroffenen Schüler:innen und ihre Eltern sind über diese Zwänge unzufrieden. Gleichzeitig gehen die Anmeldungen an den Haupt- und Realschulen immer weiter zurück. Das nach Begabung gegliederte Schulsystem – aus dem 19. Jahrhundert stammend – hat sich längst überholt.

Strukturelle Gewalt nennt man den Umstand, dass nach vier gemeinsamen Grundschuljahren die Schüler:innen sich auf verschiedene Schulformen verteilen müssen. Wenn sie länger zusammen bleiben, wird der soziale Zusammenhalt der Schülerschaft gefördert. Zugleich werden Bildungs- und Lebenschancen länger offen gehalten. Dadurch gleichen sich individuelle Wünsche und gesellschaftliche Erwartungen an.

Die Zukunft gehört der Gesamtschule

Bei der Gründung der Gesamtschulen in NRW im Jahre 1969 wurde versäumt, die Gesamtschule als Regelschule einzuführen, obwohl schon fast alle europäischen Staaten integrierte Schulsysteme hatten. So gab es im Gründungsjahr in NRW nur 7 statt 70 neue Gesamtschulen. Die Ungerechtigkeiten waren damit vorprogrammiert. 50 Jahre lang wussten Landes- und Kommunalpolitiker:innen die flächendeckende Einrichtung von Gesamtschulen zu verhindern.

Mit vier Gesamtschulen sticht Siegen bald positiv hervor. Im Verbund mit Grundschulen können jetzt alle Schüler:innen von Klasse 1 bis 10 zusammen bleiben. Das Vorbild wird langfristig dazu führen, dass die Gymnasien dieses Gemeinschaftsmodell übernehmen.

Doch gibt es ein grundsätzliches Problem: Schülerinnen und Schüler mit Behinderung werden außen vor gehalten. Ein weiteres Beispiel für strukturelle Gewalt!

Inklusion ausdehnen!

Menschen mit und ohne Behinderungen sollen von Anfang an gemeinsam lernen. Die UN-Behindertenrechtskonvention verlangt ein solches inklusives Bildungssystem. Doch das Land NRW hat die Inklusion von behinderten Schülerinnen und Schülern nicht voran gebracht. Von der neuen Landesregierung (CDU/GRÜNE) wird erwartet, dass die Ausgrenzung der behinderten Schüler:innen beendet wird.

In Siegen soll die neue Gesamtschule in der Weise entstehen, dass aus einem Gymnasium, einer Realschule und einer Hauptschule eine neue Gesamtschule gebildet wird. Wenn das Schulkonzept erweitert und eine Förderschule einbezogen würde, wären auch die behinderten Schüler:innen dabei. Ein weiterer Schritt zum Schulfrieden!

Lernen für den Frieden und für das Leben

Die Problemfelder Gesamtschule und Inklusion verdeutlichen, dass das Lernen für den Frieden und für das lebendige Leben auf die Tagesordnung jeder Schule gehört.

Bernhard Nolz ist Lehrer i.R. und gehört zum Leitungsteam des Siegener Dunkelcafés – außerschulischer Lernort für Inklusion. Er ist Aachener Friedenspreisträger, Träger eines Preises für Zivilcourage, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden und Leiter des Siegener Zentrums für Friedenskultur. 0171 8993637, nolzpopp@web.de, www.friedenspaedagogen.de

Protestaktion vor dem Bundesrat: NEIN zum 100 Mrd. Euro Sondervermögen für die Bundeswehr

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Protestaktion vor dem Bundesrat

Freitag, 10. Juni 2022, 9Uhr, Bundesrat, Leipziger Str. 3-4, 10117 Berlin

 

Nein zum 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr!

Bundesrat muss Grundgesetzänderung ablehnen!

Am Freitag entscheidet der Bundesrat darüber, ob er der vom Bundestag beschlossenen Grundgesetzänderung über das 100Mrd. Euro Sondervermögen für die Bundeswehr zustimmt.

Wir appellieren an die Bundesländer, diesem Vorhaben ihre Zustimmung zu verweigern!

100 Mrd. Euro zusätzlich zum Verteidigungshaushalt für die Bundeswehr sollen an Schulden aufgenommen werden können, ohne, dass sie von der Schuldenbremse erfasst sind. Im Rahmen der Schuldenbremse wäre das rein rechtlich schlicht nicht erlaubt. Nur durch die Änderung des Grundgesetzes wird das möglich. Und diese Schulden müssen irgendwann abbezahlt werden und entsprechend an anderen Stellen gekürzt werden.

Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, deren Forderungen nach Investitionen in soziale Sicherheit, das Gesundheitssystem, Bildung, Umweltschutz und Klimaanpassung u.v.m. mit dem Verweis auf fehlendes Geld und die Schuldenbremse abgewiesen werden.

Das Geld ist da, aber es wird lieber dafür ausgegeben, u.a. neue Kampfflugzeuge zu kaufen, die Atomwaffen abwerfen können. Wir brauchen das Geld aber zum Leben und nicht zum Töten!

Die jetzt geplante weitere Aufrüstung der Bundeswehr steht außerdem in keinem sachlichen Zusammenhang mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, den wir scharf verurteilen. Dieser Krieg wird nicht durch eine, Jahre und Jahrzehnte dauernde Aufrüstung der Bundeswehr gestoppt, noch liegt eine unmittelbare Bedrohung Deutschlands vor. Zudem sind die Militärausgaben der NATO-Staaten bereits jetzt sechs Mal höher (kaufkraftbereinigt) als Russlands.

Deshalb sagen wir Nein zu 100 Mrd. Euro zusätzlichen Schulden für die Bundeswehr und fordern den Bundesrat auf, seine Zustimmung zur Grundgesetzänderung zu verweigern!

Kommt am Freitag, 10. Juni 2022 um 9 Uhr zum Bundesrat, Leipziger Str. 3-4 und protestiert mit uns.

Initiatorin: pax christi – Deutsche Sektion e.V.

NRW-Nein zum 100 Mrd. Euro Sondervermögen gefordert

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Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden/Zentrum für Friedenskultur Siegen

Pressemitteilung vom 09.06.2022

Nein zum 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr!

NRW muss im Bundesrat Grundgesetzänderung ablehnen!

Am Freitag, 10. Juni, entscheidet der Bundesrat darüber, ob er der vom Bundestag beschlossenen Grundgesetzänderung über das 100 Mrd. Euro Sondervermögen für die Bundeswehr zustimmt.

Wir appellieren an die NRW-Landesregierung, diesem Vorhaben ihre Zustimmung zu verweigern! Nach der verlorenen Landtagswahl ist die Landesregierung (CDU/FDP) nur noch geschäftsführend im Amt.

100 Mrd. Euro für die Bundeswehr zu verschleudern, ist nicht im Interesse der Bevölkerung von NRW und schwächt die friedliche Entwicklung des Landes Nordrhein-Westfalen. Denn: Die 100 Mrd. Schulden verhindern in den nächsten Jahren auch in NRW die notwendigen Investitionen in soziale Sicherheit, das Gesundheitssystem, in Bildung, Umwelt- und Klimaschutz.

Als Friedensorganisationen wollen wir erreichen, dass der Krieg in der Ukraine nicht durch die Aufrüstung Deutschlands und durch deutsche Waffenlieferungen verlängert wird.

Deshalb sagen wir NEIN zu zusätzlichen Schulden für die Bundeswehr! NRW muss die Grundgesetzänderung verweigern!

Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden/Zentrum für Friedenskultur Siegen

Bernhard Nolz, Aachener Friedenspreisträger

Kölner Str. 11, 57072 Siegen, 0271-23568535, nolzpopp@web.de, www.friedenspaedagogen.de

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