Offener Brief an die Unterstützer*innen der Rufmordkampagne gegen die „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V.“, der der Göttinger Friedenspreis verliehen werden soll.
Die Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden fordern dringend dazu auf, sich der Kampagne gegen die ‚Jüdische Stimme‘ zu widersetzen und die ablehnende bzw. zögerliche Haltung zur Verleihung des „Göttinger Friedenspreis“ an die Organisation zu ändern.
Warum erwarten Friedenspädagog*innen das?
Erstens, weil die gegen die Organisation erhobenen Antisemitismus-Anschuldigungen ausnahmslos auf falschen Analogien, Täuschungen und Erfindungen basieren. Zweitens, weil Ihr Zurückweichen vor dieser Kampagne eine verheerende Botschaft aussendet, dass niemand in Deutschland davor geschützt ist, wegen seines Engagements für das internationale Recht sowie für die Bürger- und Bürgerrechte der Palästinenser als Antisemit verleumdet und zum Schweigen gebracht zu werden.
Was steckt hinter der Kampagne gegen die ‚Jüdische Stimme‘?
Die gegen die „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden im Nahen Osten e.V.“ (‚Jüdische Stimme‘) erhobenen Antisemitismus-Anschuldigungen zeigen nicht deren Antisemitismus, sondern die Furcht ihrer Gegner, dass die gewaltlose BDS-Kampagne der Vertreibung, Entrechtung und Beraubung der Palästinenser durch Israel ein Ende setzen könnte.
Die BDS-Kampagne will die Israels Existenz ebenso wenig auslöschen, wie die Anti-Apartheids-Kampagne die Existenz Südafrikas ausgelöscht hat. Die Kampagne ist eine reine Rechtskampagne, deren Programm darin besteht, dem internationalen Recht, den einschlägigen von Israel akzeptierten UN-Resolutionen sowie den Bürger- und Menschenrechten der Palästinenser Geltung zu verschaffen. Wer das für Antisemitismus hält, der weiß nicht was Antisemitismus ist.
Die Behauptung, dass die ‚Jüdische Stimme‘ eine antisemitische Kampagne unterstützen würde, ist propagandistisch. Die Tatsache, dass sich viele Prominente für die ‚Jüdische Stimme‘ verbürgt haben, zeigt, dass es sich bei den Mitgliedern der Organisation nicht um einige verwirrte Geister handelt. Er zeigt auch, dass es nicht um die Bekämpfung von Antisemitismus geht – sondern um eine Auseinandersetzung zwischen den Verfechtern inklusiver humanistischer Prinzipien auf der einen – sowie den Verfechtern exklusiver ethnizistischer Prinzipien auf der anderen Seite, wobei letztere nicht davor zurückschrecken, ihre Gegner schamlos als Antisemiten zu diskreditieren. Dieser Rufmord spaltet die israelische und die deutsche Gesellschaft und darf nicht unterstützt werden.
Die Jüdinnen und Juden der ‚Jüdischen Stimme‘ in Deutschland, deren Empathie nicht an den Grenzen der Abstammung oder der Religion halt macht und die sich daran beteiligen, der Unterdrückung der Palästinenser mit den Mitteln der gewaltlosen BDS-Kampagne ein Ende zu setzen, beweisen damit ihren Mut und ihren Humanismus; entgegen allen Versuchen ihrer Vereinnahmung bzw. Ausgrenzung durch Israel und entgegen der Anfeindungen durch israelische Rechts-Nationalisten und deren zahlreichen Freunde. Sie haben den „Göttinger Friedenspreis“ redlich verdient.
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