Archiv: Juli 2019

Grußwort zum CSD Siegen 2019

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Grußwort zum CSD Siegen 2019

von Bernhard Nolz

Liebe Freundinnen und Freunde,

diejenigen von euch, die vor zwei Jahren beim CSD dabei waren, werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass ich als Redner angekündigt war, aber dann kurzfristig abgesagt hatte.

2017, das war das Todesjahr meines Partners Wolfgang Popp, mit dem ich 25 Jahre zusammen gelebt hatte. Ich hatte in der Nacht einen unruhigen Schlaf gehabt, und als ich dann am Morgen des CSD-Tages aufwachte, wurde mir klar, dass ich nicht reden können würde. Zu groß war die Trauer über den Verlust des geliebten Mannes. Als ich dann ein paar Tage später von Freunden hörte und in der Zeitung lesen konnte, das beim CSD in würdiger und beeindruckender Weise an Wolfgang Popp erinnert worden war, war ich sehr glücklich.

An dieses positive Erlebnis möchte ich heute, zwei Jahre später, anknüpfen und euch von einem Ereignis berichten, das mich total happy gemacht hat und das euch sicher auch erfreuen wird:

Die Universität Siegen hat einen Wolfgang-Popp-Preis gestiftet, den Wolfgang-Popp-Preis für Geschlechterforschung. Mit dem Preis sollen Studentinnen und Studenten der Universität Siegen ausgezeichnet werden, die sich in Master- und Diplomarbeiten oder in anderen wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit Geschlechterfragen auseinander setzen. Der Preis wird erstmalig zum Beginn des kommenden Wintersemesters verliehen.

Wolfgang Popp, der als einer der Pioniere der Homosexualitätsforschung gilt, hätte seine Freude daran gehabt, dass junge Studierende mit einem Preis gefördert werden. Genau zu dem Zweck hatte er auch die August-von-Platen-Stiftung gegründet, die in ihrem 30-jährigen Bestehen viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einem Stipendium unterstützt hat. Nach dem Tod von Wolfgang bin ich zum Vorsitzenden des Stiftungsrates der August-von-Platen-Stiftung gewählt worden.

Die August-von-Platen-Stiftung möchte das Preisgeld für den Wolfgang-Popp-Preis aufstocken, von 500 auf 1000 Euro. Dafür brauchen wir Spenden, denn wegen der Niedrigzins- bzw. Nullzinspolitik ist das Stiftungsvermögen schon weitestgehend weg geschmolzen. Da geht es uns wie vielen allen anderen Sparern auch, schleichend werden wir enteignet. Wir haben deshalb die Community, die Politik und die Wirtschaft um Spenden gebeten. Vielleicht kennt ihr auch noch jemanden, der oder die die Geschlechterforschung unterstützen möchte.

Übrigens: August von Platen (1796 – 1835) war der erste deutsche Dichter, der sich zu seiner Homosexualität bekannte und wunderschöne Liebesgedichte geschrieben hat, z.B. das Folgende:

Ich bin wie Leib dem Geist, wie Geist dem Leibe dir;

Ich bin wie Weib dem Mann, wie Mann dem Weibe dir,

Wen darfst du lieben sonst, da von der Lippe weg

Mit ew’gen Küssen ich den Tod vertreibe dir?

Ich bin dir Rosenduft, dir Nachtigallgesang,

Ich bin der Sonne Pfeil, des Mondes Scheibe dir;

Was willst du noch? Was blickt die Sehnsucht noch umher?

Wirf Alles, Alles hin: du weißt, ich bleibe dir!

Ich finde das Gedicht wunderschön. In einem literarischen Streit hatte Platen den Dichter Heinrich Heine beleidigt, worauf hin der in herabwürdigender Weise Platens Dichtkunst wegen dessen Homosexualität in Frage stellte. Heine machte einen zwar witzigen, aber diskriminierenden Vorschlag, nämlich jeder Gedichtzeile ein „von hinten und von vorn“ hinzu zu fügen. Ich zeige es mal an zwei Versen:

Ich bin dir Rosenduft, dir Nachtigallgesang, von hinten und von vorn. Oder noch sexistischer: Ich bin der Sonne Pfeil, des Mondes Scheibe dir; von hinten und von vorn.

Das war wenig Friedens-fördernd, kommt es doch damals wie heute darauf an, im Kleinen wie im Großen, Konflikte friedlich zu lösen und gewaltfrei miteinander umzugehen.

Mit den kämpferischen Demonstrationen beim CSD für die sexuelle Selbstbestimmung und für Geschlechtergerechtigkeit war weltweit immer auch das Verlangen nach Frieden verbunden. Deshalb haben sich auch die Geschlechterforschung und die Friedensforschung verbündet, um Gewaltverhältnisse aufzudecken und Gewalt zu reduzieren. Gerade hat die neue Bundesverteidigungsministerin erklärt, dass sie davon nichts hält und noch mehr EURO-Milliarden für Rüstung und Krieg ausgeben will. Und ich erinnere euch daran, dass bis heute die Verstrickungen des Staates und seiner Geheimdienste in die NSU-Morde unaufgeklärt sind. Herrschaftskritik also ist die Grundlage, um zu g esellschaftlichen Veränderungen zu kommen. Der Siegener CSD ist ein kleiner Baustein auf dem Weg zu Frieden und Gerechtigkeit. Ich glaube daran, dass wir mit unserer Fröhlichkeit, unserer Toleranz und unserer Menschenliebe ansteckend wirken. Es wird – zugegebenermaßen – nicht einfach sein, Neonazis, Gewaltverherrlicher und die Verächter der Menschenrechte auf unsere Seite zu ziehen. Aber versuchen können wir es.

Ich bin sehr gespannt, ob sich junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch mit solchen Themen im Rahmen des Wolfgang-Popp-Preises befassen werden. Ich kann vielleicht im nächsten Jahr davon berichten. Jetzt aber wollen wir es genießen, mit Gleichgesinnten zusammen zu sein, und den Christopher Street Day gebührend feiern.

Streikräfte-Maut ohne Uschi? Wie bescheuert ist das denn?

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Streitkräfte-Maut ohne Uschi? Wie bescheuert ist das denn?

von Bernhard Nolz, Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF)

Nach der Wahl von Ursula von der Leyen (CDU) zur EU-Kommissionspräsidentin tobt in Berlin/Bonn erst mal die Nachfolgediskussion. Aus gut unterrichteten Kreisen war zu erfahren, dass der neue Minister Andreas Scheuer (CSU) heißen wird. Er wird – glaubt man den Informationen – einen Teil seines bisherigen Amtsbereiches, die Zuständigkeit für den Verkehr, in das Verteidigungsministerium mitnehmen, um die Autobahn-Maut zu retten.

Vom neuen Bundeskriegsverkehrsministerium werde eine „Militär-Autobahn-Maut“ bzw. Streitkräfte-Maut“ eingeführt. Mautpflichtig würde nicht nur die Benutzung der Autobahnen durch inländische und ausländische Militärfahrzeuge, sondern auch die Bahn-Überquerung von mautpflichtigen Autobahnen, wenn die Züge Militärgüter geladen hätten. Die Streitkräfte-Maut wird vom Staat erhoben, weil sich die beauftragten Betreiberfirmen auf ihren Schadenersatzpolstern in 100-Millionen-Höhe ausruhen wollten.

Die GRÜNEN hätten bereits dem Klima zuliebe verlangt, E-Panzer von der Maut auszunehmen. Sympathien gezeigt hätten sie auch für den Friedensvorschlag der LINKEN, denjenigen Militäreinheiten eine Maut-freie Rückfahrt zu garantieren, die noch vor Kriegsbeginn die heimatlichen Kasernen ansteuern würden.

Das alles sei Zukunftsmusik. Da wäre der vertrauliche Hinweis aus dem Bundespräsidialamt gerne aufgenommen worden, das Bundesverteidigungsministerium doch übergangsweise nach Brüssel zu verlegen. „Warum nicht gleich nach Washington?“, soll Willy Wimmer (CDU) jovial gefragt haben.

Solche Truppenverlegungen seien keine Militärgeheimnisse und auch nicht im luftleeren Raum entstanden, sondern bezögen sich vielmehr auf eine Aktennotiz, in der Ursula von der Leyen feststelle, dass das Verteidigungsministerium derzeit bei den drei Staatssekretären, den Herren Rheinmetall, Krauss-Maffei und ThyssenKrupp, in guten Händen sei und das Trio gegebenenfalls durch Herrn Hensoldt verstärkt werden könne.

Ein Veto dagegen soll vom Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels (SPD) wegen Nichteinhaltung der Frauenquote gekommen sein. In dieser verzwickten Lage habe Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) die Familientradition der Ursula von der Leyen ins Spiel gebracht. Ihre sieben Kinder könnten im täglichen Wechsel das bisherige Amt der Mutter übernehmen. Der Quoten-Charme dieser Lösung läge auch darin, dass fünf Töchtern zwei Söhne gegenüber stünden.

Das kann die CSU besser!“ Mit diesem Zwischenruf habe Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Andreas Scheuer (CSU) zur Truppe in Marsch setzen wollen. Doch da habe Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) angefangen rum zu maulen. Sie habe sich mit dem Erwerb eines Schleudersitzführerscheins bereits Future-mäßig auf ihren neuen Job in Nordsyrien vorbereitet. Da solle es doch mit dem Teufel zugehen, wenn es bis zur Bonner Hardthöhe nicht reichen würde.

UN-Sicherheitsrat, EU-Armee, Bundeswehr und Streitkräfte-Maut – wen wundert‘ s, dass wir das Zittern kriegen, zumal Emmanuel Macron noch eine deutsche Weltraumkommandantin sucht.

Bernhard Nolz bewegt sich in kommunalen Bildungslandschaften und in der Friedensbewegung und ist Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF).

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