Widerstand gegen das Corona-Regime
von Bernhard Nolz
Die Auswertung von Medienberichten und des Polizeiberichts über eine Demonstration gegen Rechts am 10. Juli 2020 in Siegen1 hat interessante Aspekte zum Verhalten von Demonstrierenden und zur Taktik der Polizei ergeben. Unverkennbar ist, dass die Menschen zum Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen bereit sind und die Rückkehr zur Demokratie gemeinschaftlich eingefordert wird.
Polizeilicher Notstand
1000 Menschen hatten sich an der Siegerlandhalle zusammen gefunden, um von dort zu einem Demonstrationszug zu starten, standen aber nach einer Stunde immer noch da. Der Grund: Die Polizei brachte die Corona-Notstandsgesetze zur Anwendung, mit denen das demokratische Grundrecht der Demonstrations- und Versammlungsfreiheit ausgehebelt wird.2
1) Die Polizei beschränkte die Teilnahme am Demonstrationszug auf 400 Personen und hinderte Weitere am Mitgehen.3
2) Die Polizei ließ nur Demonstrant*innen mit Nasen/Mundschutz zu,4 verlangte, „bestimmte Gesichtsbereiche während der Versammlung nicht zu verdecken“2 und verhinderte die Teilnahme „Vermummter“.
3) Die Polizei verkürzte die Demonstrationsroute „aus Sicherheitsgründen“ und wegen des großen Zulaufs während des Marsches.5/6
Gewaltfreier Widerstand
Es kam zu kreativen Widerstandshandlungen gegen die auf dem Corona-Notstandsregime beruhenden Anordnungen der Polizei:
1) Die Begrenzung auf 400 Demo-Teilnehmer*innen führte zu Protesten.
2) Die „Totalvermummten“ machten ihren Protest gegen die Willkür und den Irrsinn der Corona-Regeln kenntlich.
Der Mund- und Nasenschutz stellt eine verordnete Vermummung dar, die aber bei Demos nicht die Augen umfassen darf, obwohl bekannt ist, dass Viren auch über die Augen in den Körper eindringen können. Ein Augenschutz wäre ein Gesundheitsschutz, während der Mund/Nasenschutz eher Gesundheits-gefährdend bzw. wirkungslos ist.8
3) Folgerichtig widersetzten sich etliche Teilnehmer*innen der Masken-Willkür und ließen während der Demo „die Maske fallen“.
4) Einige Demonstrant*innen wurden mit Schlagstock-sicheren Kopfbedeckungen gesichtet.
5) Viele an der Siegerlandhalle Zurückgebliebene fanden über Abkürzungswege den Anschluss an den Demonstrationszug und unterliefen widerständig die willkürlichen Teilnahmebeschränkungen.9
Menschenrechte sind universell
„Siegen hat keinen Platz für Faschisten. III. Weg raus aus der Schlachthausstraße! Kick them out“.
Es mutet befremdlich an, dass diesen Parolen des Antifaschistischen Aktionsbündnisses „Siegen Gegen Rechts“ 1000 Menschen gefolgt sind,10 um gegen die Eröffnung des ersten Partei- und Bürgerbüros der rechten Partei Der III. Weg, die bundesweit ca. 600 Mitglieder hat, zu protestieren. Zur Mobilisierung beigetragen haben sicherlich ähnlich diskriminierende Aufrufe, zum Einen von den beiden Sprechern (DGB u. CDU) des Siegener Bündnisses für Demokratie; zum Anderen eine gemeinsame Mitteilung vom Landrat (SPD) und Bürgermeister (CDU).11 Letztere schreiben beispielsweise:
„Wir werden mit aller Kraft und größter Entschlossenheit darauf hinwirken, dass das Denken dieser Partei, das sie […] mit höchster Gewaltbereitschaft durchzusetzen versucht, in unserer toleranten und weltoffenen Stadt Siegen und im Kreis Siegen-Wittgenstein niemals willkommen und zu Hause sein wird! Wir sind eine Region, […] in der die Menschen mit Respekt füreinander eintreten.“ Natürlich nicht gegenüber Neonazis!
Das Bündnis für Demokratie schreibt in einer Stellungnahme „Kein Platz für Neonazis“:
Mit Hasspropaganda „versuchen erneut Neonazis in unserer Stadt Fuß zu fassen. Damit versuchen rechtsradikale Personen, ausschließlich von außerhalb unserer Stadt und Region, ihre menschenverachtende Ideologie in die Stadt Siegen zu tragen“, die von „Vielfalt und Weltoffenheit“ geprägt ist. Nur nicht offen für Neonazis!
Diese Widersprüchlichkeit in den Aussagen, die aus Selbstüberschätzung und fehlender politischer Reflexion zustande gekommen scheint, ist nicht Corona-bedingt, in dem Sinne, dass hier – die Umstände nutzend – im Rahmen des derzeitigen Demokratieverlustes (s.o.) eine Hassgruppe leichter entmenschlicht werden kann. „Siegen Nazifrei“ war schon vor fünf Jahren preiswürdig. Und es war auch nicht das erste Mal, dass Demonstrant*innen hinter dem Transparent „KEINE TOLERANZ FÜR INTOLERANZ“ voran schritten.
Aus Sorge um die Demokratie hätten die Demo-Redner, die „hinter der Büro-Eröffnung in Siegen Helfer aus dem bundesweiten NSU-Umfeld“3 vermuteten, nicht verschweigen sollen, dass hinter dem bundesweiten NSU-Umfeld Helfer aus dem Verfassungsschutz, aus Polizei und Justiz stehen, was die Gesellschaft nicht ohne Widerstand hinnehmen kann.
Es ist Zeit für Menschlichkeit und Inklusion. Das heißt, sich von der Forderung nach der Diskriminierung Andersdenkender zu verabschieden, Feindbilder zu überwinden und den Kampf um die Verwirklichung einer humanen und friedlichen Gesellschaft aufzunehmen.
Anmerkungen
1) https://www.facebook.com/events/292841712126005/?active_tab=about
2) https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/65854/4649174
3) Siegener Zeitung vom 11. Juli 2020
5) https://wirsiegen.de/2020/07/demo-gegen-iii-weg-versammlungen-verliefen-friedlich/318318/
6) https://www.siegener-zeitung.de/siegen/c-lokales/grosse-demo-ohne-zwischenfaelle_a204220
7) https://kenfm.de/wirtschaftliche-auswirkungen-der-corona-lockdowns-von-christian-kreiss/
8) https://www.rubikon.news/artikel/der-lockdown-irrsinn
9) https://kenfm.de/staat-und-nation-an-der-klippe-der-schoepferischen-zerstoerung-von-hermann-ploppa/
10) https://www.radiosiegen.de/artikel/demo-gegen-rechts-in-siegen-649251.html
Bernhard Nolz, Friedenspädagoge, Aachener Friedenspreisträger, Zivilcourage-Preisträger, Leiter des Siegener Zentrums für Friedenskultur (ZFK), Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden 01718993637 nolzpopp@web.de https://youtu.be/YzmFX4eJuUU https://youtu.be/4064f8czDf4
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