Archiv: November 2020

Verstehen und Verständigen statt Zusammenzustehen

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Information vom Zentrum für Friedenskultur Siegen (ZFK) zur Plakataktion „Siegen steht zusammen“ des Siegener Bündnisses für Demokratie

Verstehen und Verständigen

Das Siegener Zentrum für Friedenskultur hält die Plakataktion „Siegen steht zusammen“ für missglückt.

Bernhard Nolz, Leiter des ZFK, Friedenspreisträger und Zivilcourage-Preisträger, begründet die Kritik an der Aktion des Siegener Bündnisses für Demokratie:

Plakate und Medieninformation des Bündnisses für Demokratie verkünden die Ausgrenzung von Andersdenkenden. Bei dieser Feindbildlogik machen wir nicht mit. Vielmehr geben Frieden, Inklusion und Toleranz die Stichwörter ab, die eine Gesellschaft lebenswert erscheinen lassen.

Stattdessen müssen wir Herabwürdigungen von Menschen auf Plakaten lesen: „Nazis sind scheiße oder zum Kotzen, sie sind dumm, Abfall und Flaschen“. Spricht man so öffentlich über Mitmenschen? Wenn man deren politische Anschauung nicht teilt – was wir auch nicht tun – gebietet die Würde des Menschen, dass wir ihr Recht auf Meinungsfreiheit nicht in Frage stellen, auch deshalb, weil wir es ja auch für uns in Anspruch nehmen (Kants kategorischer Imperativ). Hier hilft nur der Austausch von Argumenten und der Versuch, sich gegenseitig zu verstehen.

Verwunderlich ist auch die Tatsache, dass das Bündnis für Demokratie und die Plakatmacher*innen sich darauf berufen, mit ihrer Aktion die offene und bunte Gesellschaft verteidigen zu wollen.

Das Feindbild „Nazis“ hat sie vergessen gemacht, dass die Meinungs-, die Vereinigungs- und die Versammlungsfreiheit die Kernelemente der offenen Gesellschaft sind. Eine offene vielfältige Gesellschaft kennt keine Ausgrenzung, sondern ist auf Inklusion angelegt.

Und so ergibt sich die paradoxe Situation, dass die Verteidiger*innen der offenen Gesellschaft mit der Plakataktion dieser offenen Gesellschaft die Grundlagen entziehen. Anders gesagt: Das Bündnis für Demokratie tritt für Offenheit ein, grenzt aber Teile der Gesellschaft aus. Es propagiert die Buntheit, will aber Braun als Farbe nicht zulassen.

Ich denke, ich habe plausibel gemacht, warum wir an der Propagierung der Friedenskultur festhalten und uns dafür einsetzen, Bedingungen zu schaffen, dass wir uns miteinander auseinandersetzen, um uns zu verstehen.

Gerne stehe ich zu weiteren Aspekten, die unsere Kritik an der Plakataktion begründet, Rede und Antwort.

Bewusst ausgespart habe ich die Bezüge der Aktion zur aktuellen Corona-Krise, weil erst einmal verkraftet werden muss, dass wir alle nach Regierungsmeinung ausgegrenzt werden müssen, weil wir als krank bzw. infiziert zu gelten haben.

Wer wie ich sich der Humanität und dem Frieden seit über 50 Jahren verpflichtet hat, sieht am Horizont die Wahrheit aufgehen.“

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