Frieden mit friedlichen Mitteln zur Überwindung von „Corona“, Teil 1
von Bernhard Nolz
Johan Galtung (*1930) ist der Begründer der Friedens- und Konfliktforschung. 1987 erhielt er den Alternativen Nobelpreis. Die Arbeit für den Frieden beschreibt er so:
„Frieden ist eine revolutionäre Idee; dass der Frieden mit friedlichen Mitteln erreicht werden soll, definiert diese Revolution als gewaltfrei. Sie findet immer statt; unsere Aufgabe ist es, ihren Umfang und ihr Gebiet zu vergrößern. Die Aufgaben sind unermesslich; die Frage ist, ob wir ihnen gewachsen sind.“
Im Folgenden ein Auszug aus einem Text von Johan Galtung, den ich in diesen Krisenzeiten für innovativ halte.
Johan Galtung: Konflikt zwischen den Generation und Nachhaltigkeit (1999)
Diagnose. Der Konflikt zwischen den Generationen ist diachron, überzeitlich. Jede Generation kann den Lebensunterhalt folgender Generationen durch ihre Forderungen bzw. ihre Gier gefährden. Konkret gesprochen:
- wirtschaftlich durch Umweltverschmutzung und Erschöpfen der Ressourcen
- militärisch durch Fortsetzung der Gewalt : Trauma und Ruhm
- politisch durch nicht transformierte Konflikte und nicht umkehrbares Handeln
- kulturell durch das Akzeptieren von Kulturen, die die genannten Konsequenzen in Kauf nehmen.
Das Konzept der Nachhaltigkeit führt über den engen wirtschaftlichen und ökologischen Diskurs hinaus zu einem allgemeinen Diskurs über die Übergabe einer Welt, die gut in Form ist.
Prognose. Die Prognose ist ein Ansteigen der Gewalt und Massenmigrationen in unsicheren Gebieten. Es sind die vier apokalyptischen Reiter: Krieg, Pest, Hungersnot und Eroberung (Tod).
Therapie. Das indianische Sprichwort: „Denk über die Folgen deines Handelns für die kommenden sieben Generationen nach“ ist ausgezeichnet. Damit man sicher geht, muss die Einsicht in das Morgen an die Ethik einer diachronen Solidarität gebunden sein, die im Heute gilt.
Eine Trainingsmöglichkeit für den Anfang wären Haushalte [Lebens- und Wirtschafts-gemeinschaften], in denen 3 – 4 Generationen eng beieinander wohnen. Dann hätten die Menschen künftige Generationen so nahe bei sich, dass die Solidarität eine Notwendigkeit des täglichen Lebens würde. Die Solidarität würde sich auch rückwärts auf die Eltern, Großeltern usw. ausweiten, was bei einer einseitigen Konzentration auf künftigen Solidarität leicht vergessen wird. Die ältere Generation in Altersghettos abzuladen ist mit zurückblickender Solidarität nicht zu vereinbaren.
Ein weiterer Ansatz wäre es, das Gleichgewicht der Macht in der (Welt-) Gesellschaft in Richtung von Kategorien zu kippen, von denen man weiß, dass sie klüger sind, da sie holistischer (ganzheitlicher), globaler, mehr an den Grundbedürfnissen orientiert und mit größerer Zeitperspektive ausgestattet sind. Das würde auf die ältere Generation und auf Frauen verweisen.
Über dies alles hinaus denken wir an massive Bildungskampagnen, die formelle und informelle Bildung und Erziehung in Gang setzen.
Aus: Johan Galtung et al.: Neue Wege zum Frieden. Konflikte aus 45 Jahren. Diagnose, Prognose, Therapie, Bund für Soziale Verteidigung, Minden 2003
Hinterlasse einen Kommentar
Schreib Bernhard Nolz direkt zu diesem Beitrag. Deine Nachricht geht per E-Mail an ihn.