Frieden mit friedlichen Mitteln zur Überwindung von „Corona“, Teil 2

Frieden mit friedlichen Mitteln zur Überwindung von „Corona“, Teil 2

Frieden mit friedlichen Mitteln zur Überwindung von „Corona“, Teil 2

von Bernhard Nolz

Johan Galtung (*1930) ist der Begründer der Friedens- und Konfliktforschung. 1987 erhielt er den Alternativen Nobelpreis. Die Arbeit für den Frieden beschreibt er so: „Frieden ist eine revolutionäre Idee; dass der Frieden mit friedlichen Mitteln erreicht werden soll, definiert diese Revolution als gewaltfrei. Sie findet immer statt; unsere Aufgabe ist es, ihren Umfang und ihr Gebiet zu vergrößern. Die Aufgaben sind unermesslich; die Frage ist, ob wir ihnen gewachsen sind.“

Im Folgenden ein Auszug aus einem Text von Johan Galtung, den ich in diesen Krisenzeiten für innovativ halte.

Johan Galtung: Konflikt zwischen den Klassen und Globalisierung (1998)

Diagnose. In einer Welt, in der 358 Milliardäre mehr Vermögen besitzen als die halbe Menschheit, sollte die Metapher „Markt“ in Frage gestellt werden. Die Milliardäre kaufen und verkaufen nicht nur, sondern sie entscheiden auch über die Produkte und die Produktionsweisen, womit sie das Leben von Milliarden Menschen verändern (z.B. durch Stellenabbau bei der Automatisierung).

Globalisierung bedeutet die globale Teilhabe an den positiven und negativen Konsequenzen des Wirtschaftswachstums, wobei die nationalen Märkte immer mehr verschwinden, die Ungleichheit weltweit wächst und über all das hinaus die Zahl der Menschen, die als ökologische, wirtschaftspolitische, militärische und kulturelle Flüchtlinge ihre Heimat verlassen, ebenfalls wächst.

Mit der Mobilität (Verlagerung) ganzer Firmen auf der Suche nach billigen Arbeitskräften und niedrigeren oder negativen Steuern (Anreizen), werden in vielen Ländern die Einnahmen des Staates zurückgehen.

Durch die Privatisierung wird der Prozess beschleunigt, indem dem Staat auch die Einkommen schaffenden Firmen genommen werden.

Der IWF verhält sich wie ein Arzt, der nur über eine einzige Medizin verfügt: Die Autonomie der Firmen vergrößern auf Kosten des Staates (Privatisierung, niedrige Steuern, Geldentwertung), auf Kosten der Arbeiter (Arbeitsflexibilität, Kontraktarbeit), auf Kosten des Landes (der Profit wird aus dem Land geschafft), und auf Kosten der Öffentlichkeit (keine Subventionen der Grundbedürfnisse, keine Steuern auf Luxusgüter).

Das Endresultat ist: Die Menschen am Boden der Gesellschaft werden geopfert.

Prognose. Das Ergebnis von alledem ist, dass die Krisen sich selbst erhalten; das System bewegt sich von einer Krise zur nächsten. Die Krise tritt dort auf, wo das System am schwächsten ist, und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Therapie der Symptome. Ein großer Krach, Rezession und Depression sind höchst wahrscheinlich.

Therapie. Massive Konflikte verlangen massive Heilmittel:

  • Die Wiedererfindung örtlicher Behörden: Eine Hauptaufgabe einer örtlichen Behörde sollte es sein, die Produktion zur Deckung der Grundbedürfnisse auf örtlicher Basis (oder in Konföderation von Gemeinden) zu koordinieren, um zu garantieren, dass sie gedeckt werden und dass das, was bis dahin von außen kam, nun im Innern hergestellt wird.
  • Die Wiedererfindung des Staates: Eine der Hauptaufgaben des Staates ist es, die Produktion normaler bzw. von Luxusgütern auf Staatsbasis (oder in einer Konföderation von Staaten) zu koordinieren und als Verteilungsagent zu wirken.
  • Die Wiedererfindung von Unternehmen: Die Unternehmen müssen soziale Verantwortung übernehmen und je nach deren Erfüllung oder Nichterfüllung belohnt oder bestraft werden.
  • Die Wiedererfindung einer Zivilgesellschaft: Das Gewissen der Verbraucher muss dazu führen, dass sie weiße und schwarze Listen von Herstellern führen und, diesen Listen entsprechend, Waren bevorzugen oder boykottieren.
  • Die Wiedererfindung der Medien: Die Medien sollen von den Geschäftsinteressen, Staatsinteressen und von der Zensur befreit werden.
  • Die Wiedererfindung globaler Kontrolle: Das würde eine massive Besteuerung von Spekulationsgewinnen bedeuten und die Garantie für die Erfüllung der Grundbedürfnisse der gesamten Menschheit als globales Menschenrecht für Weltbürger umfassen.

Aus: Johan Galtung et al.: Neue Wege zum Frieden. Konflikte aus 45 Jahren. Diagnose, Prognose, Therapie, Bund für Soziale Verteidigung, Minden 2003

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