Zur Überwindung von Entfremdung und Feindschaft in Corona-Zeiten: Friedenskultur und Zivile Konfliktbearbeitung

Zur Überwindung von Entfremdung und Feindschaft in Corona-Zeiten: Friedenskultur und Zivile Konfliktbearbeitung

Zur Überwindung von Entfremdung und Feindschaft in Corona-Zeiten

Friedenskultur und Zivile Konfliktbearbeitung

von Bernhard Nolz

Friedenskultur in Corona-Zeiten

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie haben die Regierungen wieder einmal Gewalt und Repression den Vorzug gegeben, statt friedlichen Problemlösungen und einer Kultur des Friedens den Weg zu bereiten. Frieden und Humanität machen es gerade in Krisenzeiten erforderlich,

die notwendige Kreativität und Fantasie zu entwickeln, so dass brauchbare Alternativen gefunden werden, die alle Formen direkter, struktureller und kultureller Gewalt überschreiten und die Menschen und Gemeinschaften zum Frieden mit friedlichen Mitteln befähigen.“ (1)

Stattdessen haben die Mächtigen mit technokratischer Kälte Corona-Regime installiert, demokratische Grundrechte aufgehoben, die Menschen atomisiert und isoliert und die gesellschaftlichen Strukturen gewaltsam stillgelegt. Hinter allen Corona-Maßnahmen kommen unablässig die Schatten der pandemischen Antriebskräfte zum Vorschein: die kapitalistische Profitmaximierung der Gesundheitskonzerne und Medienkonglomerate, die supranationale Ansprüche erhebenden Gesundheitsorganisationen und -Akteur*innen sowie die nationalen Populismen der verschleierten Gewalt, der Ungerechtigkeit und der Lüge.

Alle diese Kräfte haben ein Interesse daran, die tatsächlichen Menschheitsaufgaben, die in der Corona-Krise zu regeln sind, vergessen zu machen bzw. unsichtbar werden zu lassen: nämlich, dass es um das Menschenrecht auf Gesundheit geht und darum, frei von Gewalt, d.h. in Frieden leben zu können.

Das Menschenrecht auf den „höchsten erreichbaren Stand an körperlicher und geistiger Gesundheit“ gehört zu den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechten. […] Die zunächst kompliziert klingende Formulierung soll deutlich machen, dass es nicht das „Recht, gesund zu sein“ geben kann, weil Krankheit und Behinderung ein Teil des menschlichen Lebens sind.“ (2)

Krankheit und Behinderung der Menschen stellen unerwünschte Störfaktoren im System der marktkonformen Demokratie dar. Der Markt kennt keine Menschenrechte, sondern die Konkurrenz und den Wettbewerb bis in den wirtschaftlichen oder körperlichen Tod. Weil das politische System Menschen-verachtend konstruiert ist, gibt es von den Politiker*innen auch keine Wertschätzung für die gesellschaftliche Praxis eines gesunden Lebens und der Gewaltfreiheit. Deshalb werden – auch schon vor der Corona-Pandemie – die Protagonist*innen alternativer Modelle der Konfliktbearbeitung und der medizinischen Behandlung mundtot gemacht oder wirtschaftlich zerstört. Die friedliche, an der Natur orientierte Praxis hat sich dennoch an der Basis ausgebreitet.

Sie „basiert auf der Befähigung von Zivilgesellschaft, Gruppen, Organisationen und Einzelnen auf jeder Ebene der Gesellschaft und auf den traditionellen Netzwerken und sozialen Strukturen der Kulturen in aller Welt. […] Praxis und Theorie, Aktion und Nachdenken, die sich aus einem großen Schatz von Erfahrungen und Konfliktbearbeitungsansätzen speisen, treffen in dem Bestreben, eine Praxis für den Frieden aufzubauen, zusammen. […] Der Maßstab für eine Friedenskultur ist ihre Fähigkeit, Konflikte konstruktiv und gewaltfrei zu transformieren.“ (1)

Die notwendige Kraft, den Dynamiken und Strukturen der Gewalt zu begegnen und sie zu transformieren, finden die Menschen im

gemeinsamen Entwickeln und Aneignen von … Positionen und Wissen, … gemeinsamen Erleben und gemeinsamen Erfahrung des Kämpfens.“ (3)

Die Menschen sind gerade dabei zu verhindern, dass ihnen die Erfahrung körperlicher Anwesenheit und Zuneigung genommen wird und durch digitale Vernetzung, Homeoffice und Konferenzschaltungen sowie virtuelle Lernangebote ersetzt werden soll.

Tausenden von Vereinen, Initiativen, Selbsthilfegruppen und Organisationen in Deutschland wurde mit den Corona-Maßnahmen die Luft abgedreht, ohne dass die Politiker*innen, die sonst die ehrenamtlich Tätigen und sozial Engagierten mit Lob und Urkunden überhäuften, sich hätten sehen oder hören lassen. Die Angst vor dem Virus ist schon längst allen eingeimpft und lässt den angekündigten Impfzwang zu einer Art von religiöser Erlösung werden.

Entfremdung und Selbstentfremdung sind die beabsichtigten Folgen der so genannten Schutzmaßnahmen. Als Ersatz erhalten die Menschen das Privileg, mit Schutzmaske und ohne Gesicht am öffentlichen Leben teilnehmen zu dürfen. Natürlich im gebührlichen Abstand und ohne Missbrauchsgefahr. Kopftuchverbot? Vermummungsverbot bei Demos? Alles Gewalt von gestern! Von Maschinen-ähnlichen Polizist*innen werden Schlagstöcke, Pfeffersprays und Pistolen bereit gehalten. Anständige Abstände können mit Tasern erzeugt werden. Ein Bußgeld droht allen, die auf dem Wochenmarkt in frischer Luft ohne Schutzmaske Bioprodukte kaufen möchten.

Der Staat kann nur Gewalt

Friedenswissenschaftler*innen und Friedensarbeiter*innen haben es sich zu Ziel gesetzt, dazu beizutragen, dass das Zusammenleben der Menschen, der Völker und Staaten friedlich, d.h. ohne Gewalt gestaltet werden kann. In Krisenzeiten hat die Gewalt Hochkonjunktur, und zu gerne werden Krisen von den Mächtigen zur Entrechtung und Unterdrückung des Volkes genutzt.

Das Krisenmanagement der Bundesregierung und der Länderregierungen zur Bewältigung der Corona-Pandemie ist auf Gewaltmaßnahmen abgestellt, die von einem großen propagandistischen Aufwand in den Medien begleitet werden, der seinerseits durch strukturelle und kulturelle Gewaltverhältnisse gekennzeichnet ist und auch personale Gewaltformen umfasst.

Das Außerkraftsetzen von Grundrechten, Kontaktverbote und Isolationsvorschriften, Reise- und Demonstrationsverbote u.v.a.m. lassen dem friedlichen Zusammenleben der Menschen keinen Raum. Das zivilgesellschaftliche Leben und die wirtschaftlichen Aktivitäten wurden gewaltsam zum Stillstand gebracht. Als Problemlöser wurden bewaffnete Einheiten herbei geredet und in Stellung gebracht.

Eine Bearbeitung der Krisenereignisse mit friedlichen Mitteln wurde zu keinem Zeitpunkt in Erwägung gezogen. Stattdessen wurde bei Verstößen von Bürger*innen gegen die Entrechtungsmaßnahmen weiter an der Gewaltspirale gedreht und Bußgelder und Strafen verhängt. Zusätzliche Gewalt zeigte sich darin, dass gewaltfreier Protest der Lächerlichkeit preisgegeben oder kriminalisiert wurde, Test- und Impfzwänge angedroht wurden.

Zivile Konfliktbearbeitung als gewaltfreie Alternative

Eine Alternative zu den staatlichen Gewaltmaßnahmen stellt die Zivile Konfliktbearbeitung dar. Die

Zivilen Friedensdienste (ZFD) verfügen über ein kompetentes Fachpersonal, das sich in Gewaltfreiheit auskennt.

Zivile Konfliktbearbeitung ist das Werkzeug des ZFD: in Krisen- und Konfliktregionen arbeiten zivilgesellschaftliche und staatliche Akteure gemeinsam und gewaltfrei für den Frieden. Zivile Konfliktbearbeitung ist vor, während und nach einem gewalttätigen Konflikt möglich: Sie wirkt präventiv und kann Gewalt verhindern. Sie fördert die gewaltfreie Bearbeitung von Konflikten und dämmt Gewalt ein. Sie unterstützt den Aufbau von demokratischen Strukturen und baut langfristig Gewalt ab. Zivile Konfliktbearbeitung kann nicht immer Gewalt verhindern oder beenden. Sie kann Wege zum gewaltfreien Zusammenleben eröffnen. Damit schafft sie eine Grundvoraussetzung für dauerhaften Frieden.“ (4)

In der „Corona-Krise“ haben die Regierungen ihr totales Unvermögen offenbart, Konflikte friedlich und konstruktiv zu bearbeiten. Noch nicht einmal die technisch-bürokratischen Voraussetzungen dafür konnten sie erfüllen. Die Akteure der Zivilen Konfliktbearbeitung können helfen, den inneren Frieden durch die Stärkung der Immunkräfte der Menschen zu erreichen. Dazu gilt es, an der Basis Bezugsgruppen zu bilden und Freiräume für alternative Lebensweisen zu schaffen.

Deutsche Feindschaftspolitik

Die Bundesregierung versucht, den Zusammenhang zwischen der Gewaltpolitik nach innen und der imperialistischen Politik nach außen zu verschleiern. Sie führt illegale Kriege gegen andere Staaten und liefert Waffen in Kriegs- und Krisengebiete. Sie ignoriert das Friedensgebot der UN-Charta, will uns aber andererseits weismachen, dass die Anordnungen der von Pharmakonzernen und US-Stiftungen beherrschten Weltgesundheitsorganisation (WHO), z.B. Zwangsimpfungen, befolgt werden müssen. Illegal und erbarmungslos verhängt sie wirtschaftliche und politische Sanktionen gegen unliebsame Staaten, kultiviert eine Feindschaftschaftspolitik gegenüber Russland und liebäugelt mit Atomwaffen und Killerdrohnen.

Für eine Friedenspolitik nach innen und außen sind die Bundesregierung und die Länderregierungen vorerst nicht zu gewinnen.

Anmerkungen

(1) Johan Galtung et al.: Neue Wege zum Frieden. Konflikte aus 45 Jahren. Diagnose, Prognose, Therapie, Minden 2003

(2) Bundeszentrale für politische Bildung: https://www.bpb.de/internationales/weltweit/menschenrechte/231964/gesundheit

(3) Stefan Bollinger: Seuche, Macht und Kapitalismus (II). In: Ossietzky. Zweiwochenzeitschrift für Politik/Kultur/Wirtschaft, 23. Jahrgang, Nr. 11/2020

(4) Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), https://www.ziviler-friedensdienst.org/de

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